Überwachung auf neuem Level: Facebook will Tracking Cookies ersetzen

Facebook ist bekannt für seine andauernden Geschichten über Datenspeicherung, sowie dem Umgang mit diesen Daten. Das stört aber scheinbar die Wenigsten, denn Facebook hat vor kurzem die 1.000.000.000 User Grenze überschritten. Nun holt Facebook für seinen nächsten Paukenschlag aus und will selbst als Tracking Cookie fungieren.

Was genau war noch mal ein Tracking Cookie?

Tracking Cookies sind dafür da, um das Surfverhalten des Users zu beobachten und somit ein besseres Targeting für Werbung zu ermöglichen. Wenn mir also meine Freundin einen Link zu ihren neuen Schuhen von Zalando schickt, werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit kurze Zeit später von Zalando Bannern verfolgt; ob ich nun einen Technik Blog besuche oder aktuelle News durchlese. Hier wird auch schon die Schwachstelle von Tracking Cookies deutlich: sie werden nur vereinzelt platziert und können kein “Gesamtbild” des Surfverhaltens darstellen. Nur, weil ich die super tollen neuen Schuhe meiner Freundin für 1,8 Sekunden betrachtet habe und mit einem neutralen “cool” beurteilte, denkt ein auf Zalando platzierter Tracking Cookie in Form eines iFrames (z.B. von Criteo), dass ich total auf sportliche Damenschuhe abfahre und ja vielleicht doch einen kaufen würde, wenn ich oft genug das Banner von Zalando sehe. Wenn sich ein Gesamtbild erstellen lassen könnte, würde ich wohl zu 90% Banner von Sistrix oder anderen SEO relevanten Firmen sehen, da ich mich mit solchen Themen wesentlich mehr auseinander setze.

Facebook verspricht 40% weniger Kosten pro Conversion

“Optimized CPM”, oder einfach kurz OCPM heißt der neue Begriff für die Kosten von 1.000 Werbeimpressionen. Man soll 40% weniger pro Conversion zahlen müssen, aber wie genau kommt es dazu? Da ca. 7,3% der Top 10.000 Websiten bereits den offiziellen “Like-Button” von Facebook auf ihrer Seite implementiert haben, kann Facebook auch jederzeit die Nutzerdaten durch den iFrame auslesen und der Facebook-ID des Users zuordnen, wenn dieser zu faul war, um sich auszuloggen. Liken muss der User dafür auch nichts; die Daten werden direkt beim Besuch der Seite übertragen und gespeichert. Genau hier überschreitet man die Grenzen des Bundesdatenschutzgesetzes, aber dazu komme ich im nächsten Abschnitt. Man kann nun das potenzial dieser Technik ziemlich einfach erkennen: Facebook kann jeden Besuch einer Website mit Like-Button oder einem speziellen Tracking Cookie für Werbepartner nachverfolgen, einer genauen Person zuordnen und damit ein Gesamtbild erschaffen, wodurch bevorzugte Themen erkannt und ein erfolgreicheres Targeting erzielt werden können. Gut für Facebook und seine Werbepartner, schlecht für die Privatsphäre des Users.

Die Überschreitung des Bundesdatenschutzgesetzes

Das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) schützt personenbezogene Daten und nach eigener Definition “alle Einzelangaben über die persönlichen oder sachlichen Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person” (§3, Absatz 1 BDSG). Dadurch, dass Facebook die gesammelten Daten einer bestimmten ID zuordnet und diese mit dem Facebook Account in irgend einer Weise verknüpft ist, müsste hier eigentlich das Gesetz greifen, denn das ist nur erlaubt, wenn der User offensichtlich darüber informiert wird und diesen Bedingungen zustimmt. Eine perfekte Lösung für dieses Problem hat zum Beispiel heise.de gefunden, indem man den Like-Button selbst erst ein mal aktivieren muss, bevor dieser Daten an Facebook weitersenden kann. Wie genau und ob sich OCPM überhaupt in Deutschland etablieren kann, wird die Zukunft zeigen. Ich klicke mich jetzt erst mal durch Sistrix, damit ich nicht auch noch auf der Arbeit von Damenschuhen verfolgt werde.

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